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Dolf Hermannstädter: "Got Me?"
Hardcore-Punk Als Lebensentwurf

In den Trust Kolumnen der Jahre 1986 bis 2007 spiegelt sich unterhaltsam alternative Zeitgeschichte und die Ambivalenz der Szene zwischen Underground und Kommerz

Was ist Punk? Musik, Mode oder Lebenseinstellung? Für Dolf Hermannstädter, Begründer des Trust-Fanzines, liegt die Antwort auf der Hand. Seit Gründung des Magazins im Jahre 1986 stellt er diesem seine Kolumnen voran, in denen er die ganz großen Fragen aufwirft, über die Szene im Besonderen und das Leben im Allgemeinen. Die Trust-Kolumnen sind jetzt gesammelt in dem Buch "Got Me? Hardcore-Punk als Lebensentwurf" (Mox & Maritz) erschienen.

Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff Moral das, was als richtiges Handeln angesehen wird, sei es von einem Individuum, einer Gruppe oder einer ganzen Kultur. In diesem Sinne ist Dolf ein durchaus als moralisch zu bezeichnender Mensch. Allerdings ohne die ansonsten oft zu beobachtenden ideologischen Scheuklappen und nervige Bescheidwisserei. Seine Maximen lauten: Denkt selbst, lasst euch nicht von Moden blenden, packt Sachen an und vor allem: Seid ehrlich, zu anderen und zu euch selbst.

Im Laufe der Trust Jahre schreibt er immer wieder gegen die Doppelmoral an, die auch in der HC-Punk-Szene existiert, womit er sich sicherlich nicht nur Freunde innerhalb der Community, wie man es neudeutsch nennen würde, gemacht hat. Dabei pflegt Dolf eine erfrischend direkte, mitunter schnoddrige Sprache. Aber, wie Trust-Schreiber Jan Röhlk im Vorwort feststellt, "Dolf ist Dolf in allen Lebensbereichen, wer kann das in dieser Konsequenz schon von sich sagen?"

Dies wird auch in den Kolumnen deutlich, in denen man dem inzwischen 43-Jährigen HC-Aktivisten quasi beim Denken beobachten kann. Oft steht Hermannstädter den behandelten Themen genauso ratlos gegenüber wie der Leser.

Wer nun ein Hardcore-Kompendium erwartet, wird enttäuscht sein. Einschlägige Bands wie die Dead Kennedys oder Fugazi tauchen nur am Rande auf, dafür muss man sich schon alte Trust-Ausgaben zulegen. Aber immerhin hat Fugazi-Sänger Ian MacKaye den Autor für das Buch interviewt. Wenn es um Musik geht, dann werden in "Got me?" Inhalte überprüft. Dolf greift Themen auf, die ihn selbst bewegen. Ob das nun die Kommerzialisierung der Szene, der Zustand der Musikindustrie, Politik, Zwischenmenschliches, Alltagsbeobachtungen oder persönliche Erfahrungen sind.

Insofern sind die Kolumnen der Jahre 1986 bis 2007 ein Beitrag zur oral history des Hardcore-Punks von einem, der in Deutschland von Anfang an kritisch in diese alternative Subkultur involviert ist.

Allen, die altersmäßig immer schon Teil dieser Szene waren, wird bei der Lektüre des Buches an vielen Stellen ein "Ach ja" entfahren, wenn sie an die alten Diskussionen erinnert werden. Für Nachgeborene ist "Got Me?" eine hervorragende Nachhilfestunde darüber, wofür Hardcore und Punk eigentlich stand und (abseits der Mega-Festivals und Stadion-Tourneen) immer noch steht.

Trust wird nach wie vor als unabhängiges Blatt von Fans für Fans produziert. Der übliche Weg, der vom Fanzine zum Magazin mit (im besten Fall) gewinnbringenden Geschäftsmodell führt, kommt für das Trust nicht in Frage, wie Dolf betont: "Es gibt da draußen ja Leute, die dem Trust ernsthaft vorwerfen, ´es nicht geschafft zu haben´ - damit ist natürlich nur der große finanzielle Erfolg gemeint, den das Heft - im Vergleich zu anderen - tatsächlich nicht hat. (…) Es ist eine reife Leistung, ein Medium im zwanzigsten Jahr zu publizieren, OHNE es zu einem rein kommerziell erfolgreichen Betrieb verkommen zu lassen UND gleichzeitig die Selbstfinanzierung zu gewähren."

"Got me?" ist unterhaltsame Zeitgeschichte, die zeigt, dass Punk mehr ist als Stagediving, Bier und laute Musik. Und, vielleicht am wichtigsten, Dolfs Kolumnen regen dazu an, sich selbst Gedanken zu machen und Dinge nicht als selbstverständlich zu nehmen (auch und gerade in der Musik).

Dolf Hermannstädter: "Got Me? – Hardcore-Punk Als Lebensentwurf" . Mox und Maritz Verlag, Bremen; 308 Seiten; 15,80 Euro.
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