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Pop-Dialog vom 29.06.2007
Interview mit Jörg Sauer, Piranha Media
Pop100 sprach mit dem Piranha-Anzeigenleiter, der Titel wie Spex, Juice und Riddim bemuttert, über den Spex-Umbau, den werblichen Media-Mix und Verlautbarungsjournalismus.


Pop100: Wann hat der Relaunche der Spex-Homepage stattgefunden?

Jörg Sauer: Bislang hat erst eine Art "fliessender Relaunch" stattgefunden. Zur Zeit wird vieles noch optimiert, der gesamte Relaunch wird spätestens ende Juli vollzogen sein. Es gibt ja immer noch ein paar Punkte, die noch optimierungsfähig sind. Alle möglichen Leute geben in einen großen Pool ein, was noch stört und was besser sein könnte. Parallel dazu bauen wir momentan eine Onlineredaktion auf, die bisher die ganze Zeit über quasi nur aus einer einzigen Person und den Spex-Redakteuren bestand. Nach und nach gewinnen wir zahlreiche "alte" Spex-Schreiber hinzu, die den ganzen Wandel bei Spex natürlich abwartend beobachtet haben, aber nun teilweise aus eigenen Stücken wieder an uns herantreten. Das gilt nebenbei bemerkt auch für das Magazin.

Pop100: Wann wurde der "softe" Relaunch vollzogen?

Sauer: Zum erscheinen der Spex Mai/Juni Ausgabe haben wir die alte Seite quasi vom Netz genommen und die neue online gestellt. Das war Ende April.

Pop100: Stichwort: Entschleunigung.

Sauer: Das bezieht sich auf das neue Heft. Das Konzept ist ein ineinander greifen von Print und Online. Im Netz finden schnelldrehende Information, tagesaktuelle Sachen, News und reine Servicestrecken, die wir in dieser epischen Breite nicht mehr im Heft haben wollten, statt. Zum Beispiel die Tourdaten haben wir bewusst raus genommen, das ist jetzt alles online und macht dort auch aus Aktualitäts-Gründen deutlich mehr Sinn. Das Web ist überall und längst Mobil geworden. Das einzige was im Heft in diesem Bereich noch stattfindet, sind die Sachen, die wir präsentieren und zu denen dann auch immer noch ein bisschen was erzählt wird. Spex verstand sich ja auch niemals, obwohl es zugegebener Maßen zwischenzeitlich anders war, als reines Musikmagazin. Sondern wir sind, wie der Untertitel auch sagt, ein Magazin für Popkultur, wobei der Schwerpunkt ganz natürlich bedingt auf Musik liegt, da Popkultur fundamental von Musik geprägt wird. Zur zweimonatigen Erscheinungsform kann ich sagen: Es ist einfach so, dass man im Zuge dieser Entschleunigung der Redaktion mehr Zeit geben will ein Visuell und Textlich sehr anspruchsvolles und ansprechendes Heft zu produzieren und ein wenig diesen Aktualitätsdruck nehmen möchte. Dabei gibt es verschiedene Maßgaben oder Dinge, die sich die Redaktion selbst auferlegt, beibehält oder durchsetzt. Dazu gehört zum Beispiel, keine größere Story ohne eigene Fotosession etc... Bei vielen Magazinen ist es so, dass online immer so ein bisschen als Müllhalde behandelt wird und das sehen wir überhaupt nicht so. Wenn wir sagen, wir packen ein Rezension nicht ins Heft, sondern veröffentlichen sie online, dann heißt das nicht, dass die Platte schlecht oder die Band uninteressant ist, sondern es heißt einfach nur, dass sie es nicht zu den 30 oder 35 Rezensionen ins Heft geschafft hat. Das kann beispielsweise zeitliche Gründe haben, also dass die CD nicht rechtzeitig vorlag. Es kann aber auch sein, dass man eine andere Platte einfach noch besser fand. Das Heft soll ganz einfach die Essenz sein und die breiten Informationen, die Servicestrecken, die schnellen Informationen wandern alle online.

Pop100: Wie sieht es auf der Vermarktungsseite bei spex.de aus?

Sauer: Das läuft derzeit durchaus zufriedenstellend und wir sehen noch sehr viel Potential in diesem Bereich.

Pop100: Wer macht die Vermarktung?

Sauer: Das machen wir teilweise Verlagsintern sowie in Kooperation mit einer größeren Vermarktungsagentur.

Pop100: Ist es einfacher oder schwieriger geworden, ein klassisches Musikmagazin am Markt zu halten? Ihr vertreibt ja neben Riddim und Groove auch noch ein ganzes Breitenspektrum an verschiedenen Titeln.

Sauer: Also unsere verlagsinterne Stärke ist es, gegenüber anderen Publikationen wie Musikexpress oder Visions, dass unsere Titel alle sehr speziell sind. Bei Riddim ist ganz klar, wohin die Reise geht. Juice ist ebenfalls ganz klar eingegrenzt auf HipHop. Wir haben Spex jetzt als popkulturellen Titel wieder neu aufgestellt, was er ursprünglich auch immer war, weil wir eben genau den Weg nicht gehen wollten, dass Spex eines von vielen Musikmagazinen am Markt wird. Wenn man sich die gängigen, breit aufgestellten Musikmagazine anschaut, merkt man schnell, dass da eins zu eins die gleichen Themen abgefiedelt werden. Mittlerweile gibt es auch gut gemachte "general interest" Hefte, wie zum Beispiel Uncle Sallys, Piranha oder auch Intro, die das gleiche leisten und die gratis ausliegen. Von daher halte ich es nicht für sinnvoll, so eine Art von Musikmagazin heute zu machen. Deshalb würde ich deine Frage so beantworten, dass es heute natürlich schwerer geworden ist, ein traditionelles Musikmagazin zu machen, weil der Markt immer enger und die Konkurrenz immer größer wird. Ich glaub, dass die Zukunft in der Spitze, im Speziellen liegt, und nicht in der Breite.

Pop100: Ist es inzwischen bei den Plattenfirmen angekommen, dass Medien bis zu zwei oder drei verschiedene Outlets pro Publikation betreiben? Soll heißen: es gibt Printmagazine, dazu gibt es noch einen Onlineableger und unter Umständen gibt es demnächst auch noch einen Webchannel oder ein Webradio. Haben die Plattenfirmen verstanden, wie sie diese Outlets nutzen können?

Sauer: Das müssten die Plattenfirmen beantworten. Einige haben es verstanden, einige nicht. Mein Gefühl ist, dass bei Plattenfirmen momentan generell eine große Verunsicherung herrscht und keiner so richtig weiß, wo es hingeht. Indies, das meine ich jetzt gar nicht wertend, waren in ihrer Struktur eh immer geistig flexibler als Majors und bedienen sich schneller neuer Wege. Aber die Major-Companys lassen ihren Product-Managern auch keine Wahl, wenn sie sagen: "Leute, ihr müsst so und so viel Prozent eures Budgets für Online-Marketing ausgeben." Es ist natürlich die Frage, wie das im Detail umgesetzt wird und es hängt von der einzelnen Person ab, wie gut oder schlecht sie das macht und wie sinnvoll das Budget eingesetzt wird. Ich hab aber schon das Gefühl, dass die meisten PMs, mit denen ich zusammenarbeite, durchaus sehr Netz-affin sind und einfach wissen, was man machen kann und was man machen sollte. Hier ist einfach der Instinkt der Product-Manager gefragt.

Pop100: Aber dennoch scheint es ja noch immer so zu sein, dass Print eine viel größere Akzeptanz bei vielen Werbetreibern genießt, als schiere Online-Werbung.

Sauer: Es kommt natürlich immer drauf an, wo man hin will. Nehmen wir mal das Beispiel Spex: Die Spex hat eine zweimonatige Erscheinungsweise, ziemlich günstige Anzeigenpreise und eine wirklich ganz klar eingegrenzte Zielgruppe. Das ist ja die Stärke unserer Titel, die sind speziell und man hat so gut wie keine Streuverluste. Wenn in der Juice eine HipHop-Platte oder Klamotte beworben wird, dann kommt das eins zu eins beim Empfänger an. Bei Groove ist es genauso. Bei der Spex kommt noch hinzu, dass die Werbebotschaft durch den Erscheinungsturnus länger präsent ist und dass das ganze Heft so gestaltet ist, dass der Leser eine deutlich längere Verweildauer auf den Seiten hat und dass sich die Werbung layoutmäßig ganz deutlich vom Rest abgrenzt. Ab und zu finde ich es bei Print schwierig zu unterscheiden, was Werbung ist und was nicht. Es gibt zwar diese Kennzeichnungspflicht, die aber von vielen leider nicht richtig wahrgenommen wird. Ich will das jetzt aber nicht Anprangern, weil ich ja auch die Not, die oft dahinter steckt, kenne.

Pop100: Du meinst den Verlautbarungsjournalismus.

Sauer: Genau, es gibt Titel, wo man gewisse Sachen machen kann, dazu zähle ich die Gratis Titel. Da finde ich es auch legitim, weil die nichts kosten und die sich ja von irgendwas finanzieren müssen. Das man dann damit etwas lockerer umgeht ist klar. Wo man aufpassen muss und wo man so etwas nicht machen kann, das sind Titel, die verkauft werden. Wenn das dann stattfindet, was auch o.k ist, dann muss die Werbung entsprechend gekennzeichnet und auch wirklich deutlich vom redaktionellen Teil getrennt sein. Bei uns entscheidet letztlich immer die Redaktion, was sie machen möchte und was nicht, denn Glaubwürdigkeit ist unser höchstes gut.

Pop100: Abschließend noch deine fünf Lieblingsmusikmedien, egal ob Radio, Print, Online oder TV?

Sauer: M 94.5, MySpace, Zündfunk, Spex, Arte Tracks
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