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Thema vom 24.04.2001
Pop und Konventionen
Ob Start Up-Sterben oder das beschlossene Aus für Viva Zwei, die Glamour-Branche leidet. Erfolgsverwöhnte haben es in Krisenzeiten ungleich schwerer, und so stellt sich im Anschluss an die Boom-Jahre ein Wachstums-Kater ein, der nicht wenigen Arbeitnehmern mittelschwere Kopfschmerzen hinsichtlich der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes beschweren wird. Führungskräfte sind allerdings ausgenommen von den Sorgen und Nöten, mit denen sich weite Teile des Fußvolks bereits jetzt schon konfrontiert sehen. Das war schon immer so und wird auch bis auf weiteres so bleiben.

Bestand in den Sechzigern und zum Teil noch in den Siebziger Jahren das Musikgeschäft weitestgehend aus inhabergeführten Unternehmen, hat sich vieles mittlerweile grundlegend geändert. Während früher der erfolgreichste A & R-Manager zum Geschäftsführer bestellt wurde, sind es heute die gewieftesten Produktmanager, die scheinbar das bessere Rüstzeug zur Führungspersönlichkeit haben. Die Branche ist gewachsen und mit ihr die Zahl der Angestellten. Die wenigsten definieren sich freilich als Arbeitnehmer. In den großen Konzernen stellen zunehmend BWLer, Jungjuristen und Kommunikationswissenschaftler das Gros der Belegschaft.

Nicht, dass all` diese Fachkräfte schlecht sind, aber die Mehrheit aus diesen universitären Fachgebieten glaubt tatsächlich, dass sie so etwas wie die neue Wirtschaftselite sei, auf die die Welt nur so gewartet hat.
Dass es sich dabei um eine Fehleinschätzung handeln könnte, die lediglich eine Folge der Bildungsmisere der letzten zwanzig Jahre ist, kommt nur den allerwenigsten in den Sinn. Je größer die Unternehmen wurden und je mehr Beschäftigte in den Firmen Anstellung fanden, umso komplexer wurden betriebsbedingte Abläufe, die ein gewisses Maß an Controlling, Verwaltung und andere formalisierte Prozeduren unabdingbar werden ließen.
So kann es schon mal passieren, dass heutzutage Juristen, die ehedem als Justitiar bei irgendeinem Kreisverwaltungsreferat einer mitteldeutschen Kleinstadt beschäftigt waren, unversehens zum Leiter der Abteilung Human Ressources großer Musikunternehmen avancieren. Oder Kommunikationswissenschaftler, die vor und während ihres Studiums in drittklassigen Bands gespielt haben und nach Abschluss ihrer Ausbildung formvollendete Powerpoint-Präsentationen kreieren können, die dem einem oder anderen Geschäftsführer so eklatant gut gefielen, dass sie völlig übersahen, dass ein nett-konzeptioneller Ansatz noch lange kein Beweis für die Richtig- und Realisierbarkeit des lediglich gut in Szene gesetzten Masterplans ist.

Wie auch immer, Absolventen renommierter Eliteschmieden finden sich heutzutage beinahe in jedem Unternehmen. Dies wäre auch nicht weiter bemerkenswert, wenn es denn der Branche nicht so schlecht ginge. Ideen und Vorstellungen von Corporate- Design, -Identity und Communication gibt es aber nicht nur bei den großen Unternehmen. Bei kleinen und mittelständischen Firmen im Musikgewerbe, die die Gehaltvorstellungen der gut ausgebildeten Universitätsabsolventen nicht erfüllen können, kommt eine andere Gruppe von Mitarbeitern, analog zu dem Wachstum der Firmen in denen sie beschäftigt sind, immer mehr zum Tragen. Es handelt sich dabei um die Spezies von Zeitgenossen, die im amerikanischen Sprachraum gerne auch als Brown Noses bezeichnet werden.

Menschen, die sich durch die Fähigkeit auszeichnen Ja zu allem und nichts zu sagen, wenn es denn der Vorgesetzte hören will und es dem eigenen Fortkommen dienlich ist. Eine Klientel, die das Talent hat, ohne große Gewissenbisse die Nase in den nächst höher gelegen Po zu halten, auf dass sich bei dem betreffenden Entscheidungsträger ein Wohlgefühl einstellt, dass ihn glauben lässt, dass eben diese Nase ein potenzieller Hoffnungsträger sei, auf den sich der höher gestellte Firmenrepräsentant rückhaltlos verlassen kann.
Die größten Karrieren waren und sind so jenen Mitarbeitern vorbehalten, die eine perfekte Mischung aus beiden beschriebenen Lagern erbringen.

Eigentlich sehen wir heute bereits die dritte Generation von Musterbeispielen, die so oder ähnlich ihren unaufhaltsamen Aufstieg in der Popbranche gemeistert haben. Einige wenige schafften es bis in Geschäftsleitung oder gar Aufsichtsrat. Aber wie bereits beschrieben, der Branche geht es zunehmend schlechter.
Querdenker, Neinsager und Zweifler wurden in den meisten Unternehmen längst weggemobbt. Bislang ohne größere Folgen. Für was bitte waren noch die Kreativlinge gut? Die kosten doch nur Geld und sind so destruktiv, lautet das Credo der Jasager, Schaumschläger und Selbstdarsteller, und schon wenden sie sich wieder ihren Marketingplänen, Businesscases und Marktforschungsstudien zu. Das Fehlen tatsächlich unternehmerischer Qualitäten bezahlt wiederum die Mehrheit der eigentlich Werktätigen mit dem Verlust ihrer Jobs. Dass das Ganze nicht mehr viel mit Musikgeschäft zu tun hat, kommt den betreffenden Führungskräften nicht im Entferntesten in den Sinn. Deren Welt bleibt heile, selbst wenn die Umsatzrendite jenseits des Messbaren liegt. Schon längst hat sich in den besser verdienenden Betrieben eine Arbeitskultur entwickelt, die eher der von öffentlich-rechtlichen Behörden entspricht. Inhouse-Politics, rhetorische Kabinettstückchen in den Montags-Meetings, Ressort-Scharmützel und das Delegieren von Versäumnissen bestimmen das Alltagsgeschäft in den Unternehmen mehr als der vermeintliche Überlebenskampf in der ach so freien Marktwirtschaft.

Gutes Benehmen, konventionelle Verhaltensmuster und saubere Fingernägel sind unerlässliche Bestandteile beim Arbeitskampf unter Gleichrangigen. Nach unten wird solange getreten, auf das zuerst die Nase aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit herausragt, um dann endlich die Spitze des Eisbergs erklimmen zu können. "Der sicherste Platz ist immer noch an der Spitze der Pyramide" sagte bereits vor Jahren ein namhafter Geschäftsführer aus der Musikbranche. Nachdem der Betreffende über Jahre hinweg ein immer größeres Heer von Jasagern um sich geschart hat, äußerte er unlängst ein wenig entnervt den Begriff "Teflon-Generation".
Selbst in der Musikwoche 17/2001 findet sich in der Rubrik Zitat der Woche eine Bemerkung des Produzenten Leslie Mandoki, in dem er sagt: "Für einen Musiker erscheint die Industrie hin und wieder wie ein vermintes Schlachtfeld im Spannungsbogen zwischen BWLern und `Jugend forscht`-Gruppen.
BWLer hört die Signale könnte man meinen, und es bleibt die schmale Hoffnung, dass jene diese Berufsgruppe jetzt nicht automatisch zum letzten Gefecht schreitet, denn dies sei zur Ehrenrettung angemerkt, es gibt auch gute BWLer, die sogar wissen was sie tun.
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